Feuchtgebiete

DaniFilth
Nachdem ich nun "Feuchtgebiete" von Charlotte Roche fertig gelesen habe, möchte ich hier nun über dieses außergewöhnliche Buch berichten.

Eines zunächst vorweg: Ich würde das Buch grundsätzlich keinem weiterempfehlen.

Die Geschichte handelt von Helen, einer 18jährigen Dame, die sich bei der Intimrassur eine Analfissur zugezogen hat. Das ist ein Schnitt in der Haut am Anus. Dazu hat sie noch schon seit ihrer Kindheit Hämorrhoiden, die nach außen wachsen, also von außen problemlos sichtbar sind. Diese nennt sie liebevoll "Blumenkohl". Nungut, die Analfissur ist jedenfalls der Anlass für die Operation im Krankenhaus, bei dieser Gelegenheit wird ihr Blumenkohl natürlich gleich mit wegoperiert.
Das Buch beginnt und endet mit dem Aufenthalt im Krankenhaus. Gefüllt wird die ganze Geschichte eigentlich nur ausschließlich durch ihre Gedanken, da man mit einer OP am Hintern nicht unbeschwert während der Genesung durchs Krankenhaus rennen kann und der Krankenhausaufenthalt ansich eher langweilig ist. Ihre Gedanken handeln meistens um ihr Lieblingsthema, der eigene Körper. Hauptsächlich geht es um Helens Unhygiene und ihre Selbstbefriedung bzw. ihr Sex allgemein. Helen ist eine sehr entdeckungsfreudige Frau, was diese Themen betrifft. So bespricht sie die meisten Bedenken bei ihrer Unhygiene mit ihrem Frauenarzt, und um sich selbst zu beweisen, dass Hygiene überflüssig ist, fährt sie z.B. jedes mal mit ihren Schamlippen über die gesamte Klobrille öffentlicher Toiletten, um den ganzen Schmutz darauf aufzusammeln oder isst meistens ihre Körperflüssigkeiten, egal ob diese aus ihrer Vagina oder einem Pickel kommen. Sie beschreibt ausführlich ihre Praktiken bei der Selbstbefriedigung, wie die Anwendung von Wimpernzangen oder das vollständige Einführen des Duschkopfs in die Vagina, um anschließend das Wasser aufzudrehen. Um ihre Entdeckungen am weiblichen Körper perfekt zu machen, geht sie auch öfters ins Bordell, um dort unkompliziert weibliche Körper von einer anderen Perspektive aus kennenzulernen.
Im Krankenhaus versucht sie sich als vorbildliche Patientin zu verhalten, ist jedoch sehr von der Hygiene gestört, da sie ja eine unhygienische Person ist und boykottiert somit die Sauberkeit, in dem sie benutze Tampons im Aufzug liegenlässt oder bei der Toilette nicht abspült.
Doch es gibt noch eine weitere Geschichte, die in diesen ganzen Gedanken fast untergeht. Helen ist ein Scheidungskind und möchte ihre Eltern wieder zusammenbringen. Am Anfang des Buches erzählt sie bereits von der Idee, ihre Eltern, wenn sie in ein Altenheim kommen, ins gleiche Zimmer zu legen, damit sie gezwungen sind, zusammenzusein. Im Krankenhaus kommt ihr dann die Idee, die beide Elternteile zur gleichen Zeit zum Besuch zu bestellen, damit sie wieder miteinander sprechen. Letztendlich doch ohne Erfolg, da sie am Ende feststellen muss, dass sie das getrennte Leben und die neuen Partner beider Elternteile nur ignoriert hat und ein Zusammenkommen der Eltern wohl nicht mehr möglich ist. Mit der Scheidung verbindet sie auch verschiedene negative Kindheitserinnerungen, die ausschließlich mit ihrer Mutter zu tun haben, wie z.B. einen Selbstmordversuch. Als sie dann am Ende das Krankenhaus eher spontan verlässt, geht sie weder zu ihrer Mutter noch zu ihrem Vater zurück, sondern "trennt" sich von der Familie und zieht zu einem neuen Freund.

Diese Beschreibung gibt wohl bereits genug Gründe, das Buch nicht zu lesen. Das ganze Buch ist sehr offen und tabulos beschrieben, die seltsamen unhygienen Praktiken zwangen mich öfters dazu, ein "Hm, lecker." oder "Okay, alles klar." von mir zu geben. Doch gerade die letzten Seiten des Buches lassen die möglicherweise eigentliche Geschichte erkennen, ihre schweren Probleme mit ihrer Familie.
Lässt man die ganzen Gedanken zu Hygiene und Sex weg, bleibt unterm Strich ein recht langweiliger Krankenhausaufenthalt mit einer sehr traurigen Geschichte über eine kaputte Familie übrig.

Man kann nicht behaupten, dass das Buch nicht lesenswert wäre. Man macht durchaus interessante Erfahrungen, hat am Ende jedoch leider das Gefühl, nicht wirklich berreicht worden zu sein.

Sollte doch jemand Lust auf mehr gekriegt haben, das Buch liest sich relativ schnell. wink
Melle
Boah Dani, das is ja ekelhaft! happy
Ganz eindeutig nichts für mich. happy
Ich bleib da lieber bei meinen Hippieblümchenfantasybüchern! biggrin pleased
Dark Ghost
happy Naja, interessant wäre es ja schon irgendwie. Mal sehen ob ich`s mir kaufe wink
Eichi
Puhh das hört sich ja Ekelig an *Pfui*
Besonders nach dem ich jetzt Deine Inhalts Beschreibung im zusammenhang mit dem Buchtitel gelesen habe, "Feuchtgebiete" rolleyes
Nö Nö das ist nix für mich no

Gruß

Stefan
DaniFilth
Drei Jungs aus meiner Klasse hatten jedenfalls schon reges Interesse. biggrin
Melle
Wääääh! 78 happy
guided-missile
Bin zu 2/3 durch.

Ja, der Stoff dort ist eklig. Aber es liest sich klasse. biggrin
Ich kann das Buch jedem empfehlen, dem nicht übel wird, wenn er detailreiche Schilderungen dieser Art liest... ^^
Dark Ceiteag
dass währe dohc mal ne lektüre für die 10. klasse oder einfach nur zum vorstelen als sein lieblingsbuch *würg*
wobei ich würde es gerne mal lesen...was da wohl so alles drinne steht...
Susicide
ich muss sagen ich liebe dieses buch.
sehr intressant was in der guten helen vor sich geht.
muss nochn paar seiten lesen, habs mir für früh und abends im bett eingeteilt damits nicht so schnell durch ist.
danach werd ichs wohl nen paar monate nicht mehr sehen, zu viel die sichs ausleihen wollen =)
Eni
Habe mir als "Geheimtipp" einige Passagen von einer ganz begeisterten Leserin vorlesen lassen, als ich noch nichts über dieses Buch wusste und da schon beschlossen - ist nix für die Eni, die erotischen Büchern gegenüber wahrlich nicht abgeneigt ist, aber etwas "Stil" sollten sie schon haben, das was ich da zu hören bekam war allerunterste primitive Schublade ! <-- ist meine allerureigenste Meinung nur ...
Pura
es gibt Bücher, die muß ich echt nicht lesen!!!! Feuchtgebiete gehört eindeutig dazu!!!! Mir haben bisher schon dei Leseproben und Erzählungen anderer gelangt. Sorry - davon ist mir schon schlecht geworden. Irgendwo wird das doch jetzt auch als Theaterstück aufgeführt **würg**
Dark Ghost
Vielleicht sollt ichs jetzt doch endlich mal lesen..
Ich hatte es ja schon fast wieder vergessen biggrin
Siderbus Inlustris
Meine Arbeitskollegin hat es gelesen, aber sie hat schnell bemerkt, dass das Buch niemals nicht auf der Bestsellerliste hätte landen dürfen.
Sie hat es glaub auch gar nicht fertig gelesen.

Ihr Sohn (18 Jahre) hat es auch gelesen. Er hat es als sehr Offen und Direkt beschrieben...
Celaeno
Meine Erfahrungen zu diesem Buch beschränken sich auch nur auf Leseproben, aber das reicht vollkommen aus um es auf die Liste der Bücher zu setzen, die ich für kein Geld der Welt lesen würde. ^^

Mein erster Eindruck war einfach: Naja, wer sowas schreibt, dem tut ein längerer Aufenthalt beim Psychiater bestimmt nicht schlecht. *g*

Neulich stand auch in der Zeitung, dass Charlotte Roche von den Lesern der FHM zur unerotischten Frau der Welt gewählt wurde, zu Recht. :-)
Grimgork
Ick wollte hierzu auch noch paar Worte loswerden. Im Wesentlichen trifft die Zusammenfassung von DaniFilth ganz gut... Brauch ick so nix zufügen.

Denkt sich einer: Jaja, der Matze... Is klar dat der sowat liest^^ - LOGISCH! happy

Nein ma ersthaft, bin nur deswegen auf dieses Buch gekommen, weil es im Jahresrückblick für 2008 als "kultureller Ausreißer" Furore gemacht haben soll (welcher Natur, kann man sich ja Mittlerweile denken). Wenn dat so is, hab ick mir gedacht, mußte es Dir ma antun. cool

Die Autorin: Ja gut, wer die mag. Aus´m Fernsehn kannte ick die quasi nur vom Sehen her, dat is dann aber schon alles. Großes Plus von ihr, was sich in dem Buch wohl mehr als deutlich zeigt: die sehr offene und unkonventionelle Sprech-/Schreib-/Denkweise dieser Frau. Ganz klar, wer´s lieber durch die Blume mag, sollte ihr nicht an den Lippen hängen... wink


So, dann versuch ick mal, meinen Senf zum Buch zuzugeben:

Zum einen is das Buch in vier bis fünf Stunden durchgelesen. pleased Das ist denke ich mal eine Aussage für sich. Es ist auf keinen Fall ein verkappter Erotik-Roman (wie sich vlt. jemand mit lüsternen Gedanken bei dem Titel hat ausmalen wollen). Also wer mit solchen Erwartungen an dieses Buch geht: Fehlanzeige. Entscheidend is, wie Dani erwähnte, dat der ganze Hintergrund in dem Buch eher traurig is und nach und nach erst zum Ende deutlicher wird. Warum dann der Titel? Sagen wir mal, die Antiheldin des Romans (find ick passender, als "Protagonistin") hat ein offenes Verhältnis zu ihren körpereigenen Flüssigkeiten/Ausscheidungen. rolleyes Dies kann man in diversen Passagen dann in ganzer Ausführlichkeit erlesen. cool

Zu Beginn mußte ick halt schon oft lachen, weil die einfach mal frei Schnauze mit Dingen rumwirft, die man in gepflegten Diskussionen ick sag mal doch eher umschreiben würde. biggrin Also wer´s unkompliziert, direkt und einfach mag, die Sachen beim Namen zu nennen, der wird durchaus seinen Spaß haben. (So wie icke wink ) Wenn man sich dazu noch vorstellt, daß besagte Antiheldin ja erst 18 ist, dann wirkt dat ganze noch viel deutlicher. Klar ist das fiktiv, aber dennoch, wenn man es in die Wirklichkeit projizieren würde, müßte man schon ein "Hut ab" sagen, ganz egal wie man dazu auch persönlich stehen mag.

Im Laufe der kurzen Geschichte, also des Krankenhausaufenthaltes, geht dieser anfängliche Humor mehr und mehr in die ernstere Schiene, da das Familienproblem in den Vordergrund rückt - und nicht gelöst wird. Viel mehr löst sie sich als Person einfach davon...



Also Fazit: Offen und direkt, dem schließe ick mir an, halt freilich auf Sexualität bezogen, aber wie ich finde nicht hauptaugenmerklich. Soll glaube ich viel mehr nebenher als "Oho"-Effekt dienen. Im ganzen eine schnelle, kurze Geschichte, die für Lacher sorgen wird, so man die zum Teil derbe Art mag. Zurückhaltung und Blümchensex wird man dort nicht finden. wink

Ob es nun zu empfehlen is...? Ick sag ma, wer´s vom Beschreiben her mag, klar. Wenn nicht, dann geht die Welt auch nich unter...^^ Daß es ein Bestseller wurde, liegt wohl einfach an der leicht provokanten Art und der Tatsache, daß sich selbst in der heutigen Zeit viele Leute dadurch noch angestoßen fühlen (und es selbstverfreilich trotzdem lesen^^). Das meine ick nich auf alle zartbesaiteten Wesen bezogen, sondern einfach dem Umstand verschuldet, daß man doch mittlerweile schon viel "schlimmere" Sachen um die Ohren geworfen bekommt... Wer also sowat eh nich hören will, der liest auch dieses Buch nich.



@ Celaeno: zu dem FHM-Voting sag ick nix, nur wie gesagt, dieses Buch verbinde ich definitiv nicht mit Erotik - die Frau ganz nebenbei eher auch nicht... wink
Eichi
Mensch Grim mir ist schon nach dem lesen deiner "Buch Rezession" schlecht und das obwohl du gar nicht ins Detail gegangen bist dead
Das ist eines dieser Bücher die ich niemals im leben freiwillig lesen würde pleased
Ich denke auch das sich das Buch,der Titel und der Inhalt sehr stark auf das FHM-Voting ausgewirkt hat happy


Gruß

Stefan
Susi
Da kann ich mich Eichi nur voll und ganz anschließen. Nie im Leben würde ich dieses Buch auch nur in die Hand nehmen. Ich hab zwar auch noch keine Leseprobe erdulden müssen, aber was man so aus der Presse mitbekommen hat, hat mir schon gereicht.
Außderdem kan ich die Autorin absolut nicht ab, die Frau ist so was von peinlich und das nicht nur seit ihren schriftlichen Ergüssen.

Susi
Dark Ghost
Nun, ich lese das Buch grad so nebenher immer wieder mal ein Stückchen.
Bis jetzt hab ich mich Grimm und Dani nur anschließen können aber im Moment les ich grad ne Passage die mich nur noch den Kopf schütteln läßt.
Ich sag jetzt einfach mal nicht worum es momentan geht weil es doch einige gibt die das ja nicht wissen wollen aber momentan ist es das erste mal so, daß ich das Buch aus der Hand gelegt habe weil ich diese Sache als "krank" empfinde.
Hat auch nichts mit Sex zu tun. Auch nicht weil mir schlecht geworden ist oder sowas.


Mal sehen wann ich Bock hab weiter zu lesen.
Dark Ghost
Noir
Ich hab da jetzt 2 oder 3 Minuten reingehört, aber irgendwie langweilen mich ihre Ausführungen. (Ich kann auch ihre Stimme irgendwie nicht ab - aber das nur so am Rande. wink )
Bricht diese Frau in ihrem Buch wirklich irgendwelche "Tabus", oder bricht sie nur ihre eigenen Tabus? Irgendwie hatte ich bei der Art, wie sie sich gibt und wie sie sich ausdrückt, so das Gefühl. Schockieren kann sie mich nämlich damit überhaupt nicht (ich fand die Zusammenfassungen, die ich gelesen habe, eher langweilig und unappetittlich, denn schockierend.) Das Publikum und ihre Gesprächspartner aber offenbar schon, was wohl eher etwas über das Publikum und ihre Gesprächspartner aussagt, als über den Inhalt oder die Brisanz des Buches.

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